Liebe Gemeinde,
mit einem Festgottesdienst gemeinsam mit Bischof Reinelt und Pfarrer Kuhnig, wurde am 6. Dezember 2025 das 100-jährigen Kirchweihjubiläums unserer Pfarrkirche gefeiert. Anstelle einer Predigt gaben einige Gemeindemitglieder Glaubenzeugnisse (siehe unten) ab und legten dar, was St. Paulus für sie in der Vergangenheit und heute bedeutet. Am Ende des Gottesdienstes wurde ein Fries enthüllt, der aus 100 Stoffkacheln für 100 Jahre St. Paulus besteht und von der Gemeinde gestaltet wurde. Dieser Fries ziert in Zukunft die Apsis der Kirche. Würdig umrahmt wurde der festliche Gottesdienst vom mit Mitgliedern aller Gemeindechören verstärkten Gemeindechor unter Leitung von Elke Wartenberg & Ulrich Heine, sowie einem Grußwort der Zionsgemeinde.
Die Festtage begannen bereits am 04. Dezember mit dem Taize-Abend der Jugend mit dem Pilgerkreuz sowie einer musikalischen Einstimmung mit dem Holzbläserensemble direkt vor dem Festgottesdienst. Nach dem Gottesdienst waren alle eingeladen, sich mit Glühwein, Bratwurst bzw. Grillkäse zu stärken, den Adventsmarkt mit Malawibasar und den Stand unserer benachbarten Zionsgemeinde zu besuchen. Weitere Höhepunkte des Abends stellten der Besuch des Heiligen Bischofs Nikolaus, der für die Kinder und Junggebliebene Süßigkeiten mitbrachte und das Theaterstück der Jugend dar. Letzteres führte zu viel Schmunzeln und Lachen bei den Zuschauern. Noch bis in den späten Abend hinein wurde sich fröhlich bei Speis und Trank ausgetauscht.
Ihr OKR St. Paulus
Was HOFFNUNG für mich bedeutet
Wolf Erlbruch: Die große Frage. Eins meiner Lieblingsbilderbücher. Ich bin fasziniert von guter Kinderliteratur, die in treffenden Illustrationen und knappen Worten die Quintessenz ganzer Lebenserfahrungen hervorbringen kann. Dieses Buch ist so eines. Am Ende geht es immer um DIE GROßE FRAGE, auch heute hier zum 100jährigen in St. Paulus. Wo komme ich her? Wo will ich hin? Warum bin ich überhaupt hier?
Hoffnung besteht für mich aus drei Konzepten
- Hoffnung ist Entwicklung bzw. Sinnfindung: Ich darf die Welt gestalten, wie ich es in Familie, Beruf und Ehrenamt immer erlebt habe. Ich übernehme Verantwortung und spüre damit Selbstwirksamkeit. Ich möchte etwas verwirklichen, was noch nicht existiert, oder einen Mangel überwinden.
- Hoffnung ist Freiheit: Kontrollverlust und Beschränkungen sind Gift für die Hoffnung, und freilich ist immer die Freiheit der Andersdenkenden miteinzubeziehen. Die große grenzenlose Freiheit erlebe ich beim Wandern oder Radfahren, in den Bergen, auf Gipfeln, wo mir die Schönheit der Schöpfung vor Augen steht.
- Hoffnung ist Dank: Meine Großeltern sind mit nichts als einem Leinensack voll Wäsche in ein vom Nationalsozialismus vergiftetes und vom Krieg zerstörtes Land gekommen und haben sich unter großen Mühen eine kleine bäuerliche Existenz in einer Diktatur (und übrigens auch eine kleine Gemeinde) aufgebaut, auf deren Grundlage ich nun hier in Reichtum leben und gestalten darf. Ich spüre daher eine große Dankbarkeit für die friedliche Revolution, meine Familie, meine Freundinnen und Freunde, meine Gemeinde, meine Kolleginnen, meine Schülerinnen und Schüler, unser Land und unser Europa, auch wenn ich beileibe nicht mit allem zufrieden bin.
Vielleicht ist diese kleine Form der Unzufriedenheit der Ansatzpunkt, der das Pilgern der Hoffnung gut beschreibt: Es bleibt mir – und vielleicht auch Ihnen und euch - ein Antrieb, weiterzugehen, einem großen Halleluja-Ziel entgegen und dabei - soweit es nur irgendwie geht - zu GESTALTEN. Das ist eine Form von ADVENT. Man kann es auch Pilgern der Hoffnung nennen. Wir sind – und ich folge hier einem Gedanken von Dr. Janning Hoenen (dem neuen Pfarrer der Thomaskirche in Leipzig) - vor allem eins: Wir sind ADVENTSMENSCHEN. Adventsmenschen sind zum Beispiel ungeduldig, reißen Türen auf und machen Tore hoch, Adventsmenschen (oder Pilger der Hoffnung) bringen sich ein. Oder: Sie dulden keine Gewalt und keine Diskriminierung. Sie wehren sich gegen Tyrannei, Hass, Hetze. Adventsmenschen ertragen beispielsweise auch keinen Missbrauch von Macht oder Menschen und mögen kein unproduktives Gejammer und Genörgele hören. Sie lassen sich nicht vertrösten. Sie trösten und nehmen Trost an. Adventsmenschen beten oder stehen auf oder handeln – vielleicht auch manchmal überstürzt. Sie wollen in jedem Menschen das Ebenbild Gottes sehen. Sie wissen, dass er im Kleinen und Leisen, im Unscheinbaren ist. Sie wollen alles, aber auch alles dafür geben, dass am besten jetzt gleich und sofort und für alle der Retter und Friedensfürst geboren werden kann. Adventsmenschen glauben (und lassen dabei immer Zweifel zu), dass Gott da war, da ist und da sein wird.
Meine Antwort auf DIE GROßE FRAGE: Ich bin auf der Welt, um zuversichtlich zu sein. Ich bin auf der Welt, um eine Pilgerin der Hoffnung zu sein. Oder eben: Ich bin auf der Welt, um ein Adventsmensch zu sein.











