Pfingsten – das ist ein schönes sommerliches Fest mit viel Naturbezug und schönen Angeboten. Als „Geburtstag“ der Kirche ist es fast vergessen. Auch, dass es mit dem „Heiligen Geist“ zu tun hat. Dieses Wort ist schwer zu verstehen. Es ist schwer vorstellbar, was dahintersteht. Der „Heilige Geist“ ist eine der drei göttlichen Personen des dreifaltigen und dreieien Gottes. Diese Seite Gottes ist offenbar am schwierigsten zu beschreiben. Und ist vielleicht die Anmutigste. Trost, Beistand, Ratgeber möchte er sein. Das Chaos ordnen, das Verstehen lehren, in die Geheimnisse des Glaubens einführen. Weisheit schenken, Frieden stiften. Menschen inspirieren und das Beste in Ihnen wecken. Das könnte uns doch eigentlich guttun. Und das geschieht auch!
Das Foto hat sicherlich keine übernatürlichen Ursachen. Alles Projektion: Licht durchdringt farbiges Glas und wird auf einem Weg sichtbar. Vielleicht passt es ja. Der Geist Gottes bringt in uns etwas zum Leuchten, dass nicht unbemerkt bleibt. Es prägt eigene Wege und die, auf denen andere Menschen gehen. Manchmal kriegen wir das selbst gar nicht mit. Macht nichts. Hauptsache, wir bleiben durchlässig: für den „Geist der Begeisterung“.
Pfingsten erzählt davon, dass Menschen plötzlich beginnen, von Gottes großen Taten zu sprechen – jede und jeder mit der eigenen Stimme, in der eigenen Sprache, mit der eigenen Geschichte. Und doch entsteht daraus kein Durcheinander, sondern Gemeinschaft. Vielleicht liegt gerade darin bis heute etwas zutiefst Faszinierendes: Glaube lebt nicht von einer einzigen Stimme, sondern davon, dass viele Menschen ihre Stimme einbringen.
Genau daran knüpft auch die Aktion „275 Stimmen – Die ganze Bibel gelesen“ im Jubiläumsjahr der Dresdner Kathedrale an. Vier Tage und Nächte lang lesen 275 Menschen die gesamte Bibel – mitten im Kirchenraum, Tag und Nacht. Unterschiedliche Menschen, unterschiedliche Stimmen, unterschiedliche Zugänge – und doch entsteht etwas Gemeinsames: ein Raum aus Wort, Zuhören und Begegnung.
Vielleicht ist das ja ein ganz pfingstlicher Gedanke: dass Gottes Geist Menschen bewegt, ihre Stimme hörbar zu machen. Nicht perfekt. Nicht außergewöhnlich. Sondern einfach da – als Teil eines größeren Ganzen. Deshalb sind alle eingeladen, mitzulesen, mitzuhören oder das Projekt ehrenamtlich zu begleiten. Denn manchmal beginnt Begeisterung genau dort, wo Menschen gemeinsam etwas zum Klingen bringen.
Volker Babucke und Tina Kern/Pfarreirat

