Liebe Leserinnen und Leser,
neulich war ich im Elbsandsteingebirge wandern. Es war ganz still um mich herum und auf einmal hörte ich so viel: das Rauschen des Windes in den Baumkronen, den Gesang der Vögel in der flirrenden Sommerluft, das Plätschern der Kirnitzsch, deren Wasserlauf ich folgte, das Knirschen der Schuhe auf dem Weg.
Das Wandern ist für mich eine gute Möglichkeit, nach innen zu hören. Am Anfang war da so vieles in mir: Gespräche mit lieben Menschen, die nachklingen; Nachrichtenstimmen, die mich beunruhigen; das Weinen einer Freundin, das mich anrührt.
Als ich am Ufer verweilte, wurde mein Lauschen noch feiner: das Brummen einer Hummel, das Zirpen der Grashüpfer, der Wasserstrudel, der sich an einer Biegung im Bach bildete, das Eintauchen des springenden Fisches, das Rascheln der Maus, die sich unter dem trocknen Waldboden ihren Weg sucht. Mit diesem Lauschen und jedem Atemzug breitete sich ein Gefühl von Frieden in mir aus.
Plötzlich tauchte in mir der Kanon auf: „Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden.“ Das Ohr des Herzens neigen – das erinnert mich an den wertvollen Dienst der TelefonSeelsorge. In dieser Haltung schenken Ehrenamtliche der TelefonSeelsorge Anrufenden ihr Ohr und ihre Zeit. Rund um die Uhr sind sie für Menschen in Krisen da, widmen ihnen ihre Aufmerksamkeit und hören nicht nur auf das Erzählte. Sie lauschen auch auf die inneren Zustände und die Stimmungen des Anrufenden, geben eine Resonanz und fragen nach Gefühlen.
Im Zuhören entsteht ein Raum für den Anrufenden, sich selbst auszudrücken und sich etwas besser zu verstehen. Eine Verbindung zwischen dem Sprechenden und dem Hörenden baut sich über das Telefon auf, so dass der Anrufende für die Zeit des Gesprächs nicht mehr allein in seiner belastenden Situation sein muss. Manchmal entsteht durch diese Verbundenheit etwas Frieden im Herzen. Manchmal können sogar suizidale Krisen abgewendet werden.
Seit 40 Jahren hören Ehrenamtliche der TelefonSeelsorge Dresden Menschen in schwierigen seelischen Lagen zu. Begonnen hat das mit einer Idee des inzwischen verstorbenen Arztes Dr. Hartmut Kirschner, der während des Kirchentags 1983 ein Seelsorgetelefon angeboten hatte, das auch genutzt wurde. Das ermutigte ihn, ein dauerhaftes Seelsorgetelefon zu initiieren, das am 2. Januar 1986 unter dem Dach der Evangelischen Landeskirche, des Bistums Dresden-Meißen und der Evangelisch-methodistischen Kirche in Sachsen seinen Dienst aufnahm. Am Anfang konnte nur die Telefonbereitschaft von 17 Uhr bis 23 Uhr abgedeckt werden. Heute ist die Ökumenische TelefonSeelsorge Dresden Teil des deutschlandweiten Netzwerkes aus lokalen TelefonSeelsorge-Stellen und bietet ihren Dienst Tag und Nacht an sieben Tagen in der Woche an.
Rund um die Uhr empfangsbereit zu sein, das kann nur in einer Gemeinschaft aus vielen gut ausgebildeten und engagierten Ehrenamtlichen gelingen. Ich bin froh und dankbar, dass es diese Menschen gibt, die anderen mit ihrem Herzen zuhören und so für ihre Seele sorgen.
Vielleicht probieren Sie es auch mal aus, mit dem Herzen zu hören, ob auf einer Wanderung oder im Gespräch:
„Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden.“
Angelika Fischer, Mitarbeiterin der Ökumenischen TelefonSeelsorge Dresden

