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"Hab Mut - steh auf!"

Und geh

©Thomas Hohaus

Liebe Leserinnen und Leser,

das Motto des diesjährigen Katholikentages haben wir auch als Jahresmotto für unsere Pfarrei gewählt: so steht es auch über dem 120. Kirchweihjubiläum von Sankt Marien in Dresden-Cotta.

1906 anlässlich der Konsekration unserer Kirche hatte Bischof Aloys Schäfer seinen Wunsch zum Ausdruck gebracht, „… dass das Vertrauen und die Hoffnung auf eine glückliche Zukunft der jungen Gemeinde das Band der Liebe immer enger knüpfen möge zwischen dem Oberhirten, dem Geistlichen, der hier zu wirken haben wird, und der Gemeinde.“

Unsere Vorfahren hatten Mut, sie bauten unsere Kirche mit viel persönlichem Einsatz, sie waren aufgestanden und hatten mit Zuversicht St. Marien erstehen lassen.

700 Jahre zuvor suchte ein junger Mann in Assisi Stille und Einsamkeit, um neue Orientierung im Leben zu finden. Oft begab er sich nach San Damiano, um in einer kleinen Kapelle vor einer Kreuzikone zu beten. Dort erahnte er im Gebet seinen Auftrag: „Franziskus, du siehst, wie mein Haus zerfällt! Geh und stell es wieder her!“ Zunächst nahm er den Auftrag sehr wörtlich und machte sich wohl eigenhändig an die Restauration der kleinen Kirche. Allmählich verstand er diesen Aufbau aber immer spiritueller und universeller.

In wenigen Wochen werden wir den 800. Todestag dieses Mannes, des Heiligen Franz von Assisi, begehen.

Jorge Mario Bergoglio, der Erzbischof von Buenos Aires, wurde 2013 zum Papst gewählt. Er nahm als erster Papst den Namen Franziskus an. In seiner im vergangenen Jahr erschienenen Autobiografie schreibt er:

„Die Tradition ist keine Marmorstatue. Und auch Christus ist keine Statue. Christus lebt. Und Tradition heißt Wachstum. Tradition bedeutet, vorwärts zu gehen.

Die Kirche ist nicht die Gemeinschaft »der guten, alten Zeit«, die, wie der französische Denker Michel Serres anmerkt, nun einmal vorüber ist und auch nicht in allen Aspekten gut war. Unsere Verantwortung ist es, den Weg in unserer Zeit zu beschreiten und weiter zu wachsen in der Kunst, deren Erfordernisse zu erkennen und diese mithilfe der schöpferischen Kraft des Heiligen Geistes, der ja aktives Urteilsvermögen ist, zu erfüllen.

Außerdem ist die Kirche kein Orchester, in dem jeder den gleichen Ton spielt. Vielmehr spielt jeder seinen Teil der Partitur, und gerade daraus entsteht die Harmonie. Es ist schön, wenn man unter Geschwistern den Mut hat zu eigenen Ideen, zur Konfrontation, dazu, sich die Dinge ins Gesicht zu sagen: Einheit anzustreben statt Gleichförmigkeit. Aber zu guter Letzt müssen wir immer wieder um denselben Tisch zusammensitzen.“

So könnten wir vielleicht unseren Gemeindemitgliedern im Festjahr zurufen:

„Hab Mut - steh auf und geh…“

Es ist an uns, an jeder und jedem Einzelnen, dafür zu sorgen, dass St. Marien den Weg durch die Zeit auch weiterhin findet, mit Vertrauen und Hoffnung. Was das bedeuten kann, wollen wir am 1. Oktober 2026 um 19 Uhr in Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen, in unserem Gemeindesaal diskutieren.  

Sind pastorale Neuanfänge in den Kirchgemeinden überhaupt gewünscht? Und wenn ja: Wie können Sie gelingen? Welche Wege einer pastoralen Neuaufstellung sind denkbar? Gehört dazu auch der bewusste Abschied von manch Altvertrautem?

Innovation und Exnovation – also das bewusste Loslassen bestimmter Formen und Gewohnheiten – stehen dabei in einem spannungsreichen Verhältnis. Denn zugleich wächst die Einsicht, dass ein echter Neuaufbruch oft erst dort möglich wird, wo auch Raum für Abschied entsteht.

Du bist herzlich eingeladen!

Hab Mut - steh auf und geh…

Pastorale Neuaufbrüche!? Kirche zwischen Innovation und Exnovation am 01.10.2026

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